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Mit Schweiß und Spucke: Ein voller Hilfstransport will erst einmal entladen werden

Zivilschutz

Der Morgen beginnt mit Blaulicht an einer Esso-Tankstelle bei Augusta. Wir sind mit dem Zivilschutz verabredet, der uns und den LKW hier abholt. Wir folgen Luigi und seinen Helfern zum Lager des Zivilschutzes Augusta. Da es an Wochenenden in Italien ein allgemeines Fahrverbot für LKW gibt, ist diese Eskorte äußerst hilfreich. Der Zivilschutz ist im weitesten Sinne mit dem deutschen THW zu vergleichen. Im Augenblick sind sie an vielen Orten in den Häfen Siziliens für die Erstversorgung der ankommenden Geflüchteten zuständig. Sie versorgen sie mit einer Grundausstattung an Kleidung und einem Hygiene-Kit. Uns ist klar, dass sie diese Arbeit täglich verrichten und so kontinuierlich Hilfe leisten. Das ist sehr beachtlich.

Ihr Lager liegt in einem Industriegebiet am Rande der Stadt. Schnell werden die offiziellen T-Shirts übergeworfen und es geht los. Unsere LKW-FahrerInnen Anselm und Andrea machen es uns ein bisschen leichter in der heißen sizilianischen Sonne und schalten die Kühlung des LKW ein, der sich sonst innerhalb weniger Minuten in eine fahrbare Sauna verwandeln würde. Kartons werden entladen und im Lager des Zivilschutzes zu einem großen Berg aufgetürmt, der sich, so schnell wie er hier entsteht, auch wieder abbauen wird. Die Arbeit geht uns schnell von der Hand, denn auch die mitgereisten Packprofis Cori, Joni und Janina von Hanseatic Help e. V. sind dabei und packen in geübter Manier an.

Wieder bedarf es einiger Telefonate, denn auch hier sind wir schneller als gedacht. Unser nächstes Ziel ist ein Lager, das nur einige Minuten von unserem Standort entfernt liegt. Es gehört Ärzte ohne Grenzen. Bei ihrer Arbeit auf der Aquarius, einem Schiff zur Rettung aus Seenot, das sie gemeinsam mit SOS Méditeranée betreiben, versorgen sie verletzte und kranke Menschen. Außerdem kleiden sie die Menschen zumindest für die Zeit der Überfahrt ein. Es sind nur die nötigsten Sachen: Unterwäsche, ein T-Shirt, ein Overall und Strümpfe.

Zunächst läuft das Abladen ein bisschen ruhiger und mit italienischer Gelassenheit an. Doch irgendwann ist auch der Ehrgeiz der Lagerarbeiter geweckt, der Gabelstapler surrt zwischen LKW und Lager. Einen Café Fredo zum Abschied beendet unsere heutige Ausladeaktion. Ganz leer ist unser Hilfstransport aber immer noch nicht.

Entladen

Sonntags vor dem Morgengrauen machen wir uns auf nach Siracusa. Dort hat Padre Carlo D’Antoni seine Kirchengemeinde, die von den AnwohnerInnen argwöhnisch betrachtet wird. Er hat sich seit mehreren Jahrzehnten der Unterstützung Bedürftiger verschrieben. Zu seinem Klientel gehören dabei immer mehr Geflüchtete und illegalisierte Menschen, deren Asylanträge abgelehnt wurden. Die Güter, die an ihn geliefert werden sind zum größten Teil für Menschen, die auf Feldern in der Umgebung unter schlimmen Bedingungen leben und im Laufe der Zeit den Kontakt zur Gesellschaft verloren haben. Wetterfeste Kleidung, feste Schuhe, Hygieneartikel und Zelte sind nur ein Teil der Ladung, die für sie bestimmt ist. Hinzu kommt ein Generator, den wir vor der Fahrt von Spendengeldern kaufen konnten. Das Problem, dass der Padre weder über Ameise noch Gabelstapler verfügt, macht er mit einer Schar PfadfinderInnen wett. Als unser LKW an der Mauer des Kirchhofs geparkt wird, stehen ca. 30 aufgeregte Jugendliche bereit, um mit anzupacken. Gemeinsam mit den Geflüchteten, die im Gemeindehaus ein Zuhause gefunden haben, bilden wir eine lange Menschenkette und leeren den LKW bis zur letzten Kiste. Anselm, der LKW-Fahrer, kann seine Freude und Überraschung über ein spontanes Geburtstagsständchen nicht verbergen. Während langsam die Sonne aufgeht lassen Granita (Wassereis), Brioche (Milchbrötchen) und heißer Kaffee unsere Anspannung darüber, ob alles mit dem Entladen der Hilfsgüter klappt, verfliegen.

Text: Johanne 

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