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Wir werden ein Verein

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Es geht voran: Aus dem Projekt Seehilfe wird in den kommenden Tagen ein Verein. Die entsprechende Satzung ist ausgearbeitet, die nötigen Unterschriften sind gesetzt.

Wir machen den nächsten Schritt und haben am vergangenen Wochenende in Bremen ein erstes Konzept für das kommende Jahr erarbeitet. Und eines ist jetzt schon klar: Unsere Aktivitäten werden sich aufgrund der auf Sizilien gemachten Erfahrungen verlagern. Trotz des beeindruckenden Erfolges werden wir das Sammeln von Kleidung nicht wiederholen.

Stattdessen wollen wir Zukunft zweigleisig fahren: In Deutschland werden wir wo immer möglich Vorträge halten und Gespräche führen, um Interessierten die sizilianische Flüchtlingssituation näher zu bringen. Wir wollen auf die Missstände vor Ort aufmerksam machen, um Unterstützung für die Flüchtlinge in Süditalien werben und ihre Situation als europäische Angelegenheit bewusst machen. Wir werden selbst aktiv nach Möglichkeiten suchen, lassen uns aber auch gerne zu Vorträgen einladen. An dieser Stelle, auf dem Blog, werden wir weiterhin regelmäßig Erlebnisse aus dem Sommer schildern und von der Vereinsarbeit berichten.

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Am Ende soll es dann eine ordentliche Vortragstour werden. Ein erstes Gespräch führten wir bereits – mit Angelica Schwall-Düren, ihres Zeichens Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW. Dass wir demnächst vor weiteren Genossen sprechen werden, ist wahrscheinlich. Im ersten Gespräch war die Ministerin jedenfalls sehr angetan von unserem Projekt.

Neue Wege

Gleichzeitig wollen wir als Projekt Seehilfe die Soforthilfe im kommenden Jahr bedarfsgerechter gestalten. Menschen, die in illegalen Lagern unter Autobahnbrücken leben müssen, möchten wir weiterhin mit dem Nötigsten versorgen. Dazu zählen Nahrungsmittel und Medikamente, aber auch Toiletten und ähnliche Infrastrukturen. Finanzieren wollen wir diese Unterstützung mit Spenden.

Die Flüchtlinge in den legalen Lagern haben ihrerseits mit anderen Missständen zu kämpfen. Die meisten Lager liegen weit ab vom Schuss. Eine gesellschaftliche Teilhabe ist den Menschen nicht möglich. Isolation und Langeweile sind die Folgen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns am vergangenen Wochenende dazu entschlossen, in den nächsten Monaten Workshops auszuarbeiten und im kommenden Jahr auf Sizilien in die Tat umzusetzen. Die Kurse sollen den Ausgegrenzten den Umgang mit der eigenen Situation erleichtern. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Die starke Verbreitung von Smartphones unter den Refugees ist ein möglicher Ansatzpunkt, ein Digital-Workshop eine tolle Sache. Ob wir dafür eine eigene Seehilfe-App schustern müssen oder auf bereits Bestehendes zurückgreifen können, werden die Analysen der nächsten Wochen ergeben. Die Versorgung der Flüchtlinge mit Bildungs- und Infomaterial wäre dann ein Leichtes. Doch auch Sport-, Schauspiel- und Musik-Workshops sollen realisiert werden und die Camps beleben.

Und auch hier gilt: Wer weitere Ideen hat oder sich gar einen eigenen Workshop auf Sizilien vorstellen kann, meldet sich bei uns. Denn abgesehen von der Unterstützung vor Ort, wollen wir unsere Erfahrungen auch anderen zugänglich machen und so eine Brücke schlagen zwischen den Flüchtlingen, ItalienerInnen und Deutschen.

Dass unsere Pläne ambitioniert sind, wissen wir. Am Wochenende ist jeder Arsch ob der Pläne mal auf Grundeis gegangen. Doch die Unterstützungsbereitschaft des vergangenen Sommers macht uns Mut. Immer wieder kommen ganz unverhofft Menschen um die Ecke, die einem unter die Arme greifen, weiterhelfen. Und mittlerweile sind wir auch zu siebt: Anna, Anne, Bianca, Christian, Johanne, Philipp und Thomas. Eben gerade genug, um einen Verein zu gründen.

Wir freuen uns auf die anstehenden Herausforderungen,

Christian

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