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Hilf mir! – Saliou, vierzehn, obdachlos

Bild unten
Ich bin nun seit Donnerstag mit den Leuten vom Projekt Seehilfe auf Sizilien, um ankommende und angekommene Geflüchtete willkommen zu heißen, zu helfen und all das zu dokumentieren.

Gestern haben wir das Centro Astalli im Zentrum der sizilianischen Stadt Catania besucht. Der Jesuite-Orden kümmert sich um Menschen, die in Italien kein Asyl bekommen haben und nun weder vor noch zurück können. Sie werden nicht wie in Deutschland zurück in ihr Herkunftsland abgeschoben, sondern werden obdachlos.

Nachdem wir drei Kisten Medikamente und Verbandsmaterial abgegeben und uns mit der Leitung des Centros ausgetauscht hatten, traf ich vor dem Gebäude den Jungen auf den Fotos. Auch er ist obdachlos.

Das bedeutet: Niemand kümmert sich um ihn. In Europa hat er keine Chance, keine medizinische Versorgung, keine gesellschaftliche Teilhabe: Endstation Straße.

Endstation Straße

Ich versuchte, mit ihm zu sprechen, jedoch konnte ich kein Wort Senegalesisch, noch verstand er meine englischen Bemühungen. So blieb es, bei meinem unbeholfenen Versuch, ihm zu vermitteln, dass ich ihm gut gesonnen sei und beim Ausdruck seines Namens, Alters und der Herkunft:

Saliou ist 14 Jahre alt, ein Kind und aus Senegal.

Ich habe von ihm zwei Fotos gemacht, die beide grundverschiedene Gefühle des Jungen zum Ausdruck bringen. Um dies zu erkennen, möchte ich dich bitten, nochmal beide Fotos in Ruhe anzusehen.

Das erste Foto ist sehr direkt. Saliou schaut offen und klar in die Kamera, sein Kinn ist leicht angehoben. Auch ohne Worte sagt Saliou dadurch etwas: „Schau mich an. Ich bin Saliou und obdachlos. Das bin ich und ich bin ein Mensch wie du und ich.“

“Bitte hilf mir!”

Auf dem zweiten Foto ist die Trauer des Jungens in seinen Augen zu sehen. Seine Körperhaltung ist anders und seinen Blick interpretiere ich so:

„Bitte hilf mir. Niemand sieht mich. Bitte. Hilf mir.“

Saliou, ich wünsche dir von Herzen, dass du stets Freundinnen und Freunde, Mütter und Väter, Helferinnen und Helfer an deiner Seite haben wirst, die dich in deiner Situation unterstützen. Es ist gut, dass es dich gibt. Friede mit dir.

ein Text von Martin Gommel

 

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